Mittwoch, 9. Mai 2007

Happy Hour


So, meine kleine autobiographische Sammlung ist beim Drucker, und so hab ich mir heute einfach mal freigenommen und den ganzen Tag geschrieben. Debi hab ich festgestellt, dass ich doch so einiges durcheinandergeschmissen hab. Ich hab heute regelrecht Kopfschmerzen davon bekommen, so tief in meine Gehirnwindungen einzusteigen. Ist man ja gar nicht mehr gewohnt ;) Nun denn, hier kommt eine kleine Schilderung von einer von mehreren Initialzündungen. Die berüchtigte Party bei Bodo, muss ca. 1986 gewesen sein.

"Die nächsten Jahre übergeh ich mal einfach, und gerne übergeh ich auch meine ersten Lieblingshits aus dem Radio. Okay, weil die Frage ja ohnehin kommt: die erste Platte: der Starlight Melodies-Sampler als Geschenk für meine Eltern, dafür braucht man sich mit zehn eigentlich nicht zu schämen, schliesslich waren da schon Sam Cooke und die Platters drauf. Für die ersten Singles, nun ja, Gazebo 'I like Chopin' und Culture Club 'Do you really want to hurt me' als Geburtstagsgeschenk für einen Freund, der eigentlich grosser Shakin' Stevens Fan war. Und dann, waren es zuerst die Toten Hosen oder die Ärzte? Wahrscheinlich beide auf einem Tape. Und dann ging alles ganz schnell: die Levis-Werbung mit Oldienummern im Fernsehen, die Professor Bop-Radioshow (alias Götz Alsmann) entdeckt, die ersten Sachen aus dem Radio aufgenommen.

Irgendwann wurde ich zum Geburtstag meines ältesten Freundes Bodo eingeladen, es sollte eine grosse Party werden, so ganz anders als die Kellerparties mit Knutschfangen, die ich kannte, als ich noch zu welchen eingeladen wurde, denn ich hatte mit den Leuten aus meiner Klasse zu dieser Zeit nicht viel zu tun. Ich schleppte meinen besten Kumpel Andy mit, und wir hatten keine Ahnung, auf WAS für einer Party wir landen würden. Das ganze fand bei Bodo zuhause statt, die Eltern waren da und schauten Fernsehen, während sich im restlichen Haus die Hölle abspielte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie Alkohol getrunken, und dachte auch, ich würde als Antialkoholiker enden, weil mir das Zeug einfach nicht schmeckte. Aber hier war JEDER betrunken! Ich wusste gar nicht, was ich mit all den Eindrücken machen sollte. Baggernde Besoffskis, in der Küche flogen Eier und Frikadellen durch die Luft, das Gästeklo war vollgekotzt und der Spiegel mit irgendwas beschmiert, auf der Terrasse flogen Flaschen durch die Luft und landeten scheppernd auf der Nachbarveranda, untermalt von gurgelnden Kotzgeräuschen, die aus mehreren Ecken des Gartens drangen. Wir haben noch Witze gemacht, das es bestimmt knackt, wenn man am nächsten Tag über den Rasen läuft. Und im Partykeller sah es ähnlich aus, Kassetten die im Bier schwammen, ein total geplünderter Weinkeller, ein Riesenhaufen Jacken, in dem noch mehr Alkohol versteckt war und auf dem die Pärchen rumknutschten (Knack!) und zwei total besoffene Typen, die irre lachend mit Haaren voll Bier zu 'Happy Hour' durch den neonbeleuchteten Raum tanzten. Einer der beiden drosch plötzlich auf die Wand ein und verstauchte sie sich dabei. Merkte aber natürlich nichts mehr davon. Wir waren komplett überfordert. Andy raunte mir ins Ohr, "wir müssen irgendwie mitmachen. Ich stell mich jetzt einfach besoffen, wunder Dich nicht". Ich hab mich zwar gewundert, wie das gehen soll, hab aber nichts gesagt. Irgendwann, als auch noch irgendwelche wildfremden Typen durch die Gärten die Party enterten, war's soweit, Bodo sass kleinlaut auf der Treppe und sagte zu seinem Vater, der von alledem nichts mitgekriegt hatte" Schmeiss 'se raus, Pappa, schmeiss 'se einfach raus!" Und Bodo's Vater meinte nur in seiner typischen Art:" Finito, Leute!"
Als ich meine Jacke unter dem Typen mit der kaputten Hand herauszog und gehen wollte, wurde mir klar, wie geil ich das fand. Totales Chaos! Anarchie! Ich hatte sowas noch nicht erlebt. Ich würde mich in Zukunft mehr an Bodo und seine Kumpels halten...
Auf Bernds Party hab ich auch zum ersten Mal 'Happy Hour' von den Housemartins gehört, kurz danach hat mir Bodo die ganze Platte auf Tape aufgenommen (auf die Rückseite hab ich dann die besten Stücke von der Starlight Melodies aufgenommen). Die Housemartins waren das erste in meiner noch spärlichen Musiksammlung, was man unter das Label 'Mod' einstufen konnte. Nur dass ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, was das ist. Das Paul Heaton und seine Jungs sich so sahen, hab ich später aus einer Bravo erfahren. Die Housemartins hätten auch mein erstes Konzert noch im selben Jahr werden können, aber ich durfte nicht ins entfernte Düsseldorf, und musste so aus der Zeitung erfahren wie's gewesen war. Auf dem Konzert wäre ich wahrscheinlich den ersten richtigen Mods begegnet, aber so musste das noch ein Weilchen warten. Die Besoffskis auf Bodo Party hielten sich zwar auch für welche, aber da kannte ich den Begriff noch gar nicht. Ich war immer noch auf meinem Oldies-Trip, begann Tapecover mit Männchen mit Haartollen zu bemalen und hatte so langsam das Gefühl, es tut sich was."

1 Kommentar:

marije hat gesagt…

ik heb ademloos je verhaal gelezen! ik kon het zo voor me zien.keep up the good work!